2016/03

Isabelle Gabrijel: Aktuelle Arbeiten

19. März bis 15. April 2016

Fragen nach Zeit und Kontext leuchten weithin über dem Werk von Isabelle Gabrijel. In ihren großformatigen analogen Fotografien zeigt sie in die Jahre gekommene, skurril-schranzige Spielzeugfiguren in unerwarteten Konstellationen und Bühnenbildern inszeniert. Sie schöpft aus einem enorm vielfältigen Fundus von weit über 10.000 Figuren, die sie seit Jahren auf Flohmärkten und auf Reisen sammelt. Funktional und emotional längst abgehakt und der Vergangenheit überantwortet, kommen die Kindheitsbegleiter anonymer Vorbesitzer bei Isabelle Gabrijel zu einem neuen Auftritt.

Die “Erfahrungen”, die die Figuren gemacht haben, bilden ihre ganz eigenen Biografien, über die sie nicht selbst sprechen können und die wir nie erfahren werden. Isabelle Gabrijels Inszenierungen würdigen diese Erfahrungen dennoch, trotz ihres Nichtbekanntseins. Ähnlich einem biografischen Dramatiker oder Drehbuchautor schreibt die Künstlerin die Geschichten vergangener Persönlichkeiten für ein zeitgenössisches Publikum, reichert aber fade oder fehlende Fakten, ganz im Sinn der Storyline, mit freier Fiktion an. Wie die Geschichten ausgehen, bleibt jedoch schlussendlich der Fantasie des Betrachters überlassen.

Durch die Neuschreibung dieser Biografien mißt Isabelle Gabrijel den Figuren einen Wert zu, den sie in anderer Form verloren hatten. Der emotionale Wert, der für ein Kind an sein Spielzeug gekoppelt ist, wird hier durch einen philosophischen Wert ersetzt. Gerade die kleinen Dinge im Leben können manchmal viel Bedeutung haben. Es ist, wie so oft, eine Frage von Perspektive und Kontext, diese zu sehen.

Zu spurwechsel, einer Installation aus ausgestopften Tieren, kommt noch eine Ebene hinzu: Präpariert scheinen die Tiere in einem bizarren Zwischenraum zu schweben, sie sind weder lebendig noch nicht lebendig, weder präsent noch abwesend. Das ist als Analogie zum aktuellen Zustand der Mainstreamgesellschaft zu verstehen, die im Hamsterrad des Alltags gefangen ist. Wie geistesabwesend und schlafwandelnd läuft sie brav im System mit, richtet sich nach Äußerlichkeiten und vergisst dabei völlig, was das wahre Leben eigentlich bedeutet.

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